Montag, 1. Juni 2020

Windhoek - VicFalls - TEIL 1 / deutsch

Windhoek – Victoria Falls und zurück
TEIL 1 – von Windhoek zum Waterberg Plateau Nationalpark

Mehr als drei Wochen waren wir auf dieser Reise unterwegs, die meine Freunde und mich von Windhoek aus über mehrere Stationen bis zu den Victoriafällen des Sambesi und wieder zurück geführt hatte. Damit ist auch erklärt, warum ich die Geschichte dieser Tour, in mehreren Etappen erzähle. Ich will den Leser auch nicht damit langweilen, dass ich hier ausschweifend über Planung und Vorbereitung berichte, oder wer denn nun von woher, womit und wie lange angereist ist.

Jedenfalls trafen wir uns am Morgen des 13. November 2019 auf dem Internationalen Flughafen, etwa 45km östlich von Windhoek. Ach ja, da gibt es doch noch etwas, das man vielleicht noch kurz erwähnen sollte – auch wenn es die meisten eh' schon lange wissen: Finger weg von Air Namibia! Später ergibt sich gewiss noch mal die Gelegenheit, zu erzählen wieso und warum man das beherzigen sollte.

Namibia hat herrliche, bisweilen sogar unwirklich schöne Landschaften zu bieten und eine außergewöhnlich vielfältige Tierwelt. Aber Windhoek? Der frühere, unaufdringliche, koloniale Charme, haben arg gelitten. Geschmackvolle Stilsicherheit und architektonisches Können mussten aufgeblasenem Geltungsdrang und unbändiger Großmannssucht weichen.


Gottlob, es gibt immer noch Pubs, Kneipen, Restaurants und Biergärten, die eine anziehende Wirkung entfalten. Und so halten wir uns lieber fern vom grobschlächtigen Prunk des "State House", der "Kaffeemaschine" und den diversen Orten "der Heldenverehrung", im unverwechselbaren "Pjöngjang-Stil". Angesichts dieser Auswahl gibt es für uns heute eh’ nur eine Lösung: Ab in den Biergarten!


<<< Soll man sich solche Scheußlich-
       keiten in Windhoek wirklich antun?

       Man muss ja nicht
       – jedenfalls, noch nicht...




Lieber genießen wir ein echtes, kühles Bier in"Joe's Beerhouse".
Und nebenbei bemerkt:
Selbst ein warmes Bier wäre noch allemal echter,
als Heldengeschichten und Lebensläufe, die von
den "Hofdichtern" der Regierung verfasst werden.


                                   Martina, ganz rechts Heike in der Mitte
                                         und meine Wenigkeit -  links im Bild >>>



                                                         – Ekki und Günter, oben

                                                           – ganz links, ich selbst
                                               – unten sitzend: Anett, Heike...
                                                       – ...und Martina (stehend). >>>











                                                         Unsere Route vom Flughafen Windhoek zum Waterberg-Plateau
                                          
Seit der Zeit, als im ausgehenden achtzehnten Jahrhundert verschiedene Herero-Stämme unter ihrem Oberhäuptling Mutjise, von Betchuanaland kommend zuwanderten, wurde Okahandja zum kultischen Ort der OvaHerero. Tjamuaha, der Nachfolger Mutjises und Hüter des Ahnenfeuers, wählte Okahandja zu seinem Stammsitz und später wurden hier auch die beiden bedeutsamsten Häuptlinge, Maherero kaTjamuaha (1820) und Samuel Maherero (1856) geboren.
Von 1850 bis 1880 war Okahandja dreißig Jahre lang Schauplatz blutiger Fehden, Kriege und Massaker, zwischen Hereros, Orlam-Afrikanern und anderen Nama-Stämmen.

<<< Quadriga zwischen Windhoek und Okahandja


1827 war Heinrich Schmelen der erste Europäer, der den Siedlungsplatz Okahandja erreichte, aber erst viel später wurden von der Rheinischen Mission die Augustineum Schule (1866) und die Missionskirche (1876) errichtet. Dabei geschah dies geschah noch während der Zeit anhaltender Feindseligkeiten. Jedenfalls ist Okahandja der Ort des traditionellen Herero-Tages, der alljährlich am letzten August-Wochenende stattfindet und es beherbergt auch den legendären Herero-Friedhof.


<<< Der Schnitzermarkt in Okahandja


Schluss mit der Historie, denn wir schreiben schließlich kein Geschichtsbuch und die wirklich guten Nachrichten gibt es aus der Gegenwart zu berichten: Im Jahr 2016 sollte außerhalb Okahandjas ein Solarkraftwerk in Betrieb genommen werden. Na ja und vielleicht klappt das dann tatsächlich auch irgendwann mal mit der Inbetriebnahme? Den Okahandja Schnitzermarkt tun wir uns heute jedenfalls nicht an. Ich weiß wirklich nicht, wie der es in alle deutschsprachigen Reiseführer geschafft hat und dort als Kulturereignis ersten Ranges gepriesen wird. Aber, einer schreibt eben vom anderen ab und so entstehen Mythen. Wer allerdings, aufdringliche Verkäufer mag, der (und nur der das wirklich mag) sollte sich das nicht entgehen lassen.



Gottseidank gibt es in Okahandja auch noch andere Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise die Bäckerei Dekker, den alten Bahnhof und den historischen Herero-Friedhof. Beim betrachten der Grabmonumente beschleicht mich an diesem Ort allerdings immer wieder das Gefühl, dass hier mehr General-Feldmarschälle einer imaginären Herero-Armee bestattet sein müssten, als jemals in beiden Weltkriegen, an allen Fronten und in allen beteiligten Streitkräften zusammen gedient haben!



                                              Das Grabmahl für Tjamuaha, Maherero KaTjamuaha
                                                                                         und Samuel Maherero. >>>



Fast hätte ich es noch vergessen, aber wo wir gerade beim Thema „Streitkräfte“ sind: Das "Museum der namibischen Volksbefreiungsarmee". Alleine der Eingang mit Vorplatz ist eine „Augenweide“ – sofern man nicht übertrieben „kultur-sensibel“ ist. Jedoch weiter als bis zu diesem Gittertor kommt man eh' nicht, weil dieses "Museum" von SWAPO-Soldaten streng bewacht wird und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Ein wahrer Leckerbissen für die Freunde zeitgenössischer, nordkoreanischer Architektur und Heldenverehrung ist es allemal. Man muss das einfach auf Zelluloid bannen. Aber sehen Sie selbst! (...so sparen Sie sich wenigstens den weiten Weg nach Pjöngjang...). Nun aber ab in die Reitklub-Gaststätte, an der Voortrekkerstraße, stadtauswärts in Richtung Norden. Kurze Rast und Imbiss im Gastgarten und dann geht auch schon wieder weiter.


            Die Rheinische Missionskirche in einer historischen Aufnahme                                  Nordkoreanische "Kunst" in Afrika



Ab Okahandja in Richtung Otjiwarongo, beginnen sich Rinder- und Schaffarmen mit Wild- und Jagdfarmen abzuwechseln. In den letzten Jahren haben private Farmer viel hart erarbeitetes Geld investiert, um das Wagnis einzugehen, von der traditionellen Nutztierhaltung auf Wild umzusteigen. Einfache Farmzäune, müssen durch die hohen Wildzäune ersetzt werden und auch der jährliche Fleischzuwachs ist um einiges geringer als bei Rindern, Schafen oder Ziegen. Andererseits ist die Bewirtschaftung mit Jagdwild der Landschaft und Ihren natürlichen Wasserressourcen sehr viel besser angepasst und bringt das Wild wieder in Regionen zurück, in denen es seit mehr als hundert Jahren keinen Platz mehr hatte.


<<< Amtstafel der deutschen Zollstation Swakopmund
          im Gastgarten des Reitklubs in Okahandja.



 
Nach einer knappen Dreiviertelstunde Fahrzeit ragen die Kegel der Omatako-Berge (2.286mNN) aus der Ebene, die mich immer wieder an die "Drei Gleichen" in Thüringen erinnern. Vor allem dann, wenn man von Norden her darauf schaut und die, aus dieser Perspektive weiter links gelegene, Klein-Omatako-Bergspitze (1.783mNN) mit ins Bild kommt. Nur, es fehlen die Ritterburgen auf den Gipfeln. Dafür aber, erreicht die höchste der Spitzen knapp 2.300 Höhenmeter. Na gut, zugegebenermaßen ist die Straße auch schon über 1.400 Meter höher als der Meeresspiegel.

Nach weiteren zwanzig Minuten Fahrzeit, passieren wir die Zufahrt zum privaten Okonjima Naturreservat und fahren nochmals zehn Minuten bis wir dorthin kommen, wo wir in Richtung Osten abbiegen.

<<< Die Omatako-Berge auf einem Ölgemälde
       von Helmut Lewin aus dem Jahr 1947.


Vor über hundertfünfzig Millionen Jahren, wurde der Waterberg von Kräften aus dem Erdinnern um einige hundert Meter angehoben und bildete fortan zusammen mit dem etwa 70 Kilometer westlich gelegenen Mount Etjo eine riesige Hochfläche. Weichere Gesteinsschichten wurden in der Folge durch Verwitterung abgetragen, wohingegen der Etjo, der Kleine Waterberg und das Waterberg-Plateau, die von oben her durch härteres Material vor Erosion geschützt sind, als Rudimente stehen blieben. Weiter unten liegende, wasserundurchlässige Schichten sorgen dafür, dass der darüber liegende Sandstein während der sommerlichen Regenzeit (von November bis in den April hinein) Wasser speichern kann, welches das ganze Jahr hindurch relativ gleichmäßig über Quellen wieder abgegeben wird. Davon lebt seit Millionen von Jahren eine artenreiche Gemeinschaft von Tieren und Pflanzen, die in den weiter entfernten Trockengebieten, in dieser Form nicht existieren könnte.



Wir biegen also von der B1 nach rechts auf die C22 in Richtung Okakara ab, der früheren Hauptstadt von Hereroland West. Nach etwa vierzig Kilometern fahren wir in nordöstlicher Richtung auf die gut ausgebaute Sandpiste D2512 und erreichen nach kurzer Zeit das „Bernabé-de-la-Bat-Camp“.



                       Waterberg / Omaheke – der Weg ist das Ziel >>>



Die alte deutsche “Polizei- und Poststation Waterberg“, wurde in den Achtziger-Jahren von der damaligen südwestafrikanischen Mandatsregierung restauriert und seither stufenweise zu einem herrlich gelegenen Camp mit Restaurant, Bar und großem Schwimmbad ausgebaut. Zum Übernachten, stehen ein großzügiger Campingplatz, sowie Chalets in verschiedenen Größen und Ausstattungen zur Verfügung.

Den Waterberg kann man zu Fuß erklimmen, oder an einer Tour mit den Wildhütern des Nationalparks teilnehmen. Ganz anders als in den meisten Nationalparks, darf man hier nicht mit dem eigenen Fahrzeug hoch fahren – egal ob 4x4, oder nicht. Also melden wir uns an der Rezeption für die „Sundowner-Tour“ an.

Bereits in den Siebziger Jahren wurden von der Mandatsregierung kommerzielle Farmen auf dem Plateau und in dessen Umgebung aufgekauft und erste Schritte zur Errichtung eines Wildschutzgebietes unternommen.

<<< Die alte Waterberg-Polizeistation


<<< Das Waterberg-Plateau

Zunächst diente das Wildschutzgebiet vor allem dazu, ein sicheres Refugium für die größte afrikanische Antilope, den Eland (dt. auch Elenantilope) zu schaffen. In den Achtziger Jahren wurden dann auch Rappenantilopen (Säbelantilopen) aus Angola angesiedelt, die in ihrer Heimat durch die langen Kriege schon fast ausgerottet waren.

Seit Ende der Achtziger Jahre wurden unter anderem die beiden afrikanischen Nashornarten, Giraffen, sowie Büffel in ein Gebiet zurückgebracht, das diese früher schon, seit Millionen von Jahren besiedelt hatten. Dabei dürfte auch der Gedanke an die Rettung, des in seinem Bestand schon länger gefährdeten Spitzmaulnashorns, eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben.
Seither ist die Artenvielfalt am Waterberg stark angewachsen. Neben den „üblichen Verdächtigen“ – wie Impala, Kudu, Wildebees (Gnu), Giraffen etc. – findet man auch: Red Hartebeest (Rote Kuhantilope), Tsessebe (Leierantilope), Roan-Antilopen (Pferdantilope), Leoparden, Geparden, das selten zu beobachtende Erdferkel... etc.

Damara Dik-Dik (Zwergantilope) im Waterberg Camp >>>

Ich kann an dieser Stelle nicht alles aufzählen. Mit 90 Säugetier-, über 200 Vogel- und etwa 650 verschiedenen Arten von Flechten und Pflanzen, gehört der Waterberg zu den artenreichsten Biosphären des südlichen Afrika. Außer Elefanten und Löwen sind fast alle Großsäuger vorhanden. Elefanten und Löwen wird man am Waterberg, auf absehbare Zeit ohnehin nicht ansiedeln. Denn für den Elefanten, mit seinem enormen Zerstörungspotential ist das Biotop Waterberg zu empfindlich und definitiv auch zu kleinräumig. Ja, und Löwen? Dann wäre es mit den Bergwanderungen auf das Plateau vorbei und schließlich will man dieses Gebiet auch der einheimischen Bevölkerung als Erholungsgebiet erhalten.
Leoparden hingegen, sind für Wanderer keine große Gefahr. Erfahrungsgemäß gehen diese dem Menschen großräumig aus dem Weg.

Ich war seit frühmorgens auf den Beinen und hatte tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, mich einfach ins Bett zu legen. Allerdings und selbst, nachdem ich nun wirklich schon des öfteren auf dem Waterberg-Plateau gewesen war, sowohl mit den Wildhütern im Landrover als auch selbst hoch geklettert: Ich hätte heute wirklich etwas versäumt, wäre ich nicht mit gefahren.

Fast fünf Stunden sind wir unterwegs und das ist selbst für den Waterberg-Trip, schon wirklich lange. Wilhelm, unser “Field Guide“ aus Okakarara ist zäh, hat gute Augen, einen guten Riecher und hört fast alles, was sich im Busch bewegt. Außer dem Leoparden und dem Aardvark (Erdferkel), haben wir (fast) alles aufgestöbert. Und wie wir wissen: Erdferkel und Leopard, obwohl man sie eigentlich fast überall antreffen könnte, lassen sich nur dann blicken, wenn die das selbst so wollen.

<<< Auf dem Waterberg-Plateau - Pferdantilopen im Busch

<<< Geparden genießen die letzten Sonnenstrahlen

Dafür aber, sind wir am späteren Nachmittag noch auf zwei Geparden gestoßen. Vermutlich waren es zwei Brüder, die sich in der langsam untergehenden Sonne nochmals aufgewärmt haben, bevor sie im dichten Busch Deckung suchen.
Geparden sind tagaktiv und waren selbst hier oben auf dem Plateau schon heimisch, lange bevor sich Farmen angesiedelt hatten. Mir geht das immer wieder durch den Kopf, weil das Waterberg-Plateau, (für mich zumindest) gar nicht so aussieht, wie ein typisches Geparden-Habitat.


<<< Kurz vor der Rückfahrt ins Camp

Zum Abschluss der Tour und immer wieder ein Erlebnis: Ein wunderschöner Sonnenuntergang in allen Farben der afrikanischen Savanne, dazu ein kleines Tischchen, Drinks und Snacks. Kamera dabei, Fernglas dabei – nur meine wärmende Jacke, die liegt weit unten auf meinem Bett. Gin-Tonic mit Eis wärmt auch nicht und so weit im Norden, dauert die afrikanische Dämmerung nur Minuten.

Also, auch im afrikanischen Frühsommer sollte man beherzigen, dass es auf über 1.800 Metern Höhe kalt werden kann, wenn die Sonne untergeht. Auf dem Weg nach unten habe ich jeden Meter Höhenunterschied an meiner Blutzirkulation spüren können. Bis wir am Camp ankommen, ist es zwar schon stockdunkel, aber doch viel wärmer als auf dem Plateau.
Vielleicht hatte es deshalb nach dem Abendessen etwas länger gedauert, bis wir uns endlich auf den Weg gemacht haben - vom Biergarten zu unseren Betten.

Morgen früh geht es weiter - in Richtung ETOSHA NATIONALPARK. Zu sehen in TEIL 2 dieser Tour "Vom Waterberg in den Etosha Nationalpark".

Wir beschreiben in diesem Blog nicht nur die Tour selbst und was wir dabei erlebt haben. Wir wollen damit auch über Naturschutzaspekte, die Entstehungsgeschichte der Nationalparks und über aktuelle Ereignisse im Zusammenhang damit berichten. Auch die Geologie der jeweiligen Landschaften und deren erdgeschichtliche Grundlagen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Klar – wir können in diesem Rahmen nicht alles ausführlich behandeln. Deshalb meine Bitte: Schreibt in die Kommentar-Spalte, eure persönlichen Fragen, welche Themen euch besonders interessieren und worüber wir mehr schreiben sollten.

Diesen Themenkreisen haben wir auch zwei Blätter auf unserer Internet-Seite gewidmet – nämlich:
- Naturschutz und Jagd....>>>

- ....sowie Naturschutz und Tourismus...>>>


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